Meine Erfahrungen im Bereich der Wissensvermittlung begannen auf einer Fachhochschule. Die Leitung hatte Bedarf, das vorgeschlagene Thema schien passend (relevant und wichtig). Das war es auch, doch war mein Eigeninteresse an der Thematik schwindend gering. Als Herausforderung die ich mir selbst gesetzt hatte, ging ich also ans Werk. Es war ein inhaltlich korrekter Vortrag in einem Thema das mehr Freude im TUN bereitet. Die Screenshots, Erläuterungen und abgelesenen (das macht man so in einem Vortrag wie ich mich erinnern konnte) vorbereiteten Inhalte führten zu einer ungünstigen Bewertung. Natürlich hatte ich auch so viel Zeit investiert, dass ich glatt krank zur ersten Session ankam. Gestresst und übermüdet.

Heute, achte Jahre später, passiert mir diese Erfahrung nicht mehr. Mein jüngster Lehrauftrag an einer Universität hatte top Bewertungen, so gut, dass es mich nachdenklich machte. Wissensvermittlung hat – aus meiner Sicht – etwas mit der Herstellung von Relevanz für die Beteiligten (nicht Betroffenen, wie im Eingangsbeispiel) zu tun. Das Eingehen auf deren Fragestellungen und Problem-Sichten, die Fähigkeit das Nicht-Wissen ernst zu nehmen, und dem Verständnisproblem auf den Grund zu gehen. Wenngleich das auch bedeutet – keine Furcht vor eigenen neuen Metern zu haben ohne das Gesicht dabei zu verlieren.

Aufgrund meines Interesses an der Lehre (Wissensvermittlung) das eher auf Enthusiasmus als Lehrer-Lorbeeren aus ist, habe ich mir die Digitale Grundbildung nun etwas deutlicher angesehen. Vor dem Sommer 2022 war vieles Theorie, heute soll vieles Praxis sein und werden. Ins Auge stach natürlich:

Die Digitale Grundbildung wird in der 5. bis 8. Schulstufe mit jeweils mindestens einer fixen Stunde im Stundenplan umgesetzt, somit ergibt sich eine Zahl von insgesamt mindestens 4 Jahreswochenstunden im Verlauf der Sekundarstufe I. Dies bedeutet auch eine Erhöhung der Gesamtzahl an Jahreswochenstunden der Sekundarstufe I um 4 Stunden.

Um den Bedarf an Lehrenden zu decken, werden 150 neue Planstellen eingerichtet.” (Quelle: BM Bildung, Wissenschaft & Forschung, Digitale Grundbildung, abgerufen am 04.10.2022 )

Ein bisserl werden sich die Lehrer vorkommen wie ich in meiner ersten Dozententätigkeit kann ich mir vorstellen. Es ist relevant und wichtig, aber das Herz dafür fehlt womöglich dem einen oder anderen. Leider hat Wissensvermittlung (wie Werbung) mit Gefühlen (der Lehrer und der Schüler) und mit dem Umgang von Ängsten und Neuland zu tun. Aus meiner Sicht allenfalls.

Kopfmenschen haben mit der Herausforderung vermutlich keine Probleme. In der Theorie. Praktische Auswirkungen werden uns die kommenden Jahre begleiten und im Nutzerverhalten sichtbar werden. So meine Annahme. Jede Veränderung in unser Verhalten wirkt sich aus.

Weiterführendes
BM Bildung, Wissenschaft und Forschung, Digitale Grundbildung [ externer Link ]
UW, Fakultät für Informatik, Stellungnahme der Fakultät zur geplanten Digitalen Grundbildung [ externer Link ]
Lehrerweb Wien, Digitale Grundbildung [ externer Link ]
AHS Informatik, Digitale Grundbildung [ externer Link ]